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Chargesheimer
Chargesheimer 1924-1971
Bohemien aus Köln
HC, 24 x 28 cm., 352 pp.
Greven 2007

"Wir sind es gründlich leid von Außenseitern in dieser Weise dargestellt zu werden... Wir haben nicht die Absicht, derartige Veröffentlichungen unwidersprochen hinzunehmen... Solche Darstellungen akzeptieren wir nicht!"

Diese harten Worte äußerte 1959 der Oberbürgermeister von Essen angesichts des Bildbandes 'Im Ruhrgebiet' mit Fotografien von Chargesheimer und einem Text von Heinrich Böll. Die Empörung saß tief und der offene Brief aus Essen liest sich noch heute wie eine Anklageschrift.

Was waren das für Zeiten, in denen ein Bildband mit Fotografien derartige Emotionen freisetzen konnte? Der Provokateur war der Künstler und Fotograf Chargesheimer, der als Karl Heinz Hargesheimer am 19. Mai 1924 in Köln geboren wurde, an den Kölner Werkschulen studierte und ab 1947 für Theater in Hamburg, Köln und Essen arbeitete.
Chargesheimer besetzte die Rolle des radikalen Einzelgängers, der vieles anpackte, vom Bühnenbild bis zur Theaterregie, vom Layout seiner Bücher bis zur Konstruktion seiner 'Lichtmaschinen'.
Alle äußerten Ratlosigkeit aber keiner wusste letztlich eine Erklärung zu liefern, als Anfang Januar 1972 Chargesheimer tot in seiner Wohnung aufgefunden wurde.

Die Ausstellung im Museum Ludwig erinnert an einen bedeutenden Fotografen und Querkopf, der in der Zeit des Wiederaufbaus nach 1945 mit Selbstbewusstsein, Ironie und Sarkasmus die Nachkriegsgesellschaft beobachtete. Sie zeigt einen umfassenden Überblick über Chargesheimers Werk, von den kameralosen Experimenten, den Portraits und den Fotoessays bis zu den Theaterfotografien. Neben dem umfangreichen Nachlass, der sich im Museum Ludwig befindet, werden auch bislang völlig unbekannte Portraits von Chargesheimer, die ihn mal melancholisch, mal wütend und mal schmunzelnd zeigen, in dieser Ausstellung zu sehen sein.

 


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